Kopernikusschule Freigericht

Tansania

Ein Lehrer aus Tansania bringt die Welt ins Klassenzimmer

22. Juni 2026

Zehn Tage, 40 Klassen und unzählige Begegnungen: Mit Ewald Kiria war ein besonderer Gast an der Kopernikusschule Freigericht zu Besuch. Der 40-jährige Lehrer kommt aus Tansania und unterrichtet an der Partnerschule der Kopernikusschule, dem Vocational Training Center in Moshi am Fuße des Kilimandscharo. Dort bildet er junge Menschen im Bereich Maurer- und Fliesenlegerhandwerk aus. Sein Besuch machte für viele Schülerinnen und Schüler greifbar, was globale Partnerschaft, Bildungsgerechtigkeit und konkrete Hilfe vor Ort bedeuten können.
In zahlreichen Unterrichtsstunden berichtete Ewald Kiria eindrucksvoll vom Leben und Lernen in Tansania. Besonders spannend war für die Schülerinnen und Schüler der Blick auf die berufliche Ausbildung: Anders als in Deutschland findet diese in Tansania vor allem an Berufsschulen statt. Praktische Erfahrungen sammeln die Auszubildenden, soweit möglich, in Praktika – oder direkt bei Bauprojekten auf dem Schulgelände.

Genau hier wird die langjährige Verbindung zur Kopernikusschule besonders sichtbar. Der Verein Helfen macht Schule e.V., der eng mit der Schulgemeinde verbunden ist, hat in den vergangenen Jahren mehrere Infrastrukturprojekte am VTC in Moshi unterstützt. Dadurch konnte Ewald Kiria mit seinen Schülerinnen und Schülern nicht nur Unterricht im Klassenzimmer gestalten, sondern wichtige Gebäude selbst planen und errichten. So wurden auf dem Schulgelände unter anderem neue sanitäre Anlagen gebaut. Früher mussten die Jungen mit einem Eimer Wasser in einem einfachen Verschlag unter freiem Himmel duschen. Heute stehen ihnen deutlich bessere Waschmöglichkeiten zur Verfügung.

Auch eine Autowerkstatt entstand mit Unterstützung des Vereins. Sie ermöglicht es den Auszubildenden im Bereich Automechanik, auch während der Regenzeit praktisch zu arbeiten. Zudem wurde eine kleine Dining Hall mit Küche gebaut. Zuvor wurde in einer einfachen Hütte gekocht; gegessen wurde draußen unter einem Baum oder während der Regenzeit in den Klassenräumen. Die neuen Gebäude verbessern somit ganz konkret den Schulalltag vieler junger Menschen.

Eine besondere Rolle spielte dabei Ewald Kiria selbst. Er übernahm nicht nur die praktische Umsetzung mit seinen Auszubildenden, sondern auch die Planungen der Gebäude und ersetzte damit gewissermaßen einen Architekten. In Tansania müssen Baupläne vor der Umsetzung von einer Behörde geprüft und genehmigt werden. Dass Kiria diese Aufgabe übernehmen konnte, senkte die Kosten erheblich – und machte die Projekte zugleich zu wertvollen Lernorten für seine Schülerinnen und Schüler.

Möglich wurden diese Maßnahmen durch Spenden, die auch aus der Schulgemeinde der Kopernikusschule stammen – etwa durch den Adventsbasar, Kuchenverkäufe, Aktionen der Schülervertretung oder andere schulische Initiativen. So wird aus einem Stück Kuchen auf einem Schulfest in Freigericht an anderer Stelle ein Beitrag zu besseren Lern- und Lebensbedingungen.

Besonders berührend waren für viele Klassen die persönlichen Erzählungen Ewald Kirias. Er selbst wuchs in sehr einfachen Verhältnissen auf. Als Kind konnte er zunächst nicht zur Schule gehen, sondern musste arbeiten, Kühe und Ziegen hüten und Wasser holen. Erst als ein Onkel die Familie finanziell unterstützte, konnte Kiria im Alter von zehn Jahren endlich die erste Klasse besuchen. Mit großem Fleiß schaffte er später seinen Schulabschluss und absolvierte eine Ausbildung zum Maurer, die er als Klassenbester abschloss. Sein erstes Gehalt nutzte er nicht für sich selbst, sondern für seine Familie: Er ließ eine Wasserleitung zur einfachen Hütte seiner Eltern legen, die aus Lehm gebaut und mit Stroh gedeckt war. Später baute er zunächst seinen Eltern und schließlich sich und seiner eigenen Familie ein solides Haus.
Doch genau darin liegt auch eine zentrale Botschaft seines Besuchs: Nicht jedes Kind hat einen Verwandten, der helfen kann. Damit Bildungschancen nicht vom Zufall abhängen, unterstützt Helfen macht Schule e.V. jedes Jahr mehr als 50 Schülerinnen und Schüler in der Region Uru East am Kilimandscharo und ermöglicht ihnen den Besuch der Grundschule. Oft fehlen schon vergleichsweise kleine Beträge: Manche Familien können selbst die rund 35 Euro für Schreibmaterial, Mittagessen und Schuluniform nicht aufbringen.

Der Besuch von Ewald Kiria machte deutlich, wie wichtig diese Unterstützung ist – und wie unmittelbar sie wirkt. Für die Schülerinnen und Schüler der Kopernikusschule wurde Tansania nicht als ferner Punkt auf der Landkarte erfahrbar, sondern durch einen Menschen, der von seinem Leben, seiner Arbeit und seinen Schülerinnen und Schülern erzählte. Dabei entstanden viele Fragen, Gespräche und Momente des Staunens.

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