Kopernikusschule Freigericht

Frankfurter Oper

Zehntklässler erleben „Die Passagierin“ als eindrucksvolle Geschichtsstunde auf der Bühne

23. Februar 2026

Ein Opernabend, der nachhallt: 50 Schülerinnen und Schüler der 10. Klassen der Kopernikusschule Freigericht machten sich von Langenselbold aus mit dem Zug auf den Weg zur Frankfurter Oper. Gemeinsam mit den betreuenden Lehrkräften Anke Eitz und Andreas Weismantel erlebten sie dort Mieczysław Weinbergs „Die Passagierin“ – ein Werk, das nicht nur musikalisch herausfordert, sondern auch inhaltlich tief unter die Haut geht.

Die expressive Oper des polnisch-russischen Komponisten Mieczysław Weinberg (1919–1996) basiert auf einer literarischen Vorlage von Zofia Posmysz, die eigene Erfahrungen und Erinnerungen in mehreren Werken verarbeitet hat. Die Handlung spielt in den 1950er-Jahren auf einem Passagierschiff nach Brasilien – und springt in Rückblenden in die Zeit des Konzentrationslagers Auschwitz. Im Mittelpunkt steht Lisa, die mit ihrem Mann, einem Diplomaten, auf Reisen ist. An Bord glaubt sie, einer Frau zu begegnen, die sie an Marta erinnert – eine ehemalige KZ-Insassin, die Lisa für tot hielt. Diese vermeintliche Wiederbegegnung sprengt Lisas mühsam errichtete Fassade: Verdrängte Schuld und Erinnerungen brechen auf, denn Lisa war einst Aufseherin im Frauenlager von Auschwitz. Weinbergs Oper kreist um die großen Fragen von Schuld, Erinnerung, Verdrängung – und um die Erkenntnis, dass man der Vergangenheit nicht einfach davonfahren kann, auch nicht auf einem Schiff Richtung „Neuanfang“.

Damit die Jugendlichen nicht unvorbereitet in diese dichte Thematik gingen, wurde das Werk im Unterricht sorgfältig erschlossen: Die Musiklehrkräfte Michael Schneider und Andreas Weismantel hatten die Oper in den vorangegangenen Stunden inhaltlich und musikalisch vorbereitet, Hintergründe vermittelt und zentrale Motive besprochen. Als zusätzliche Begleitung und bekennender Opernfan war zudem Albrecht Eitz, ehemaliger Bürgermeister der Gemeinde Freigericht, mit dabei – eine besondere Konstellation, die den Abend auch generationsübergreifend zu einem gemeinsamen Bildungsereignis machte.

Sichtlich beeindruckt verließen die Schülerinnen und Schüler nach der Vorstellung die Oper: Von der Intensität der Stimmen, der Präzision des Orchesters, der Wirkung des Bühnenbilds und der Arbeit der Technik – aber vor allem von der emotionalen Wucht der Erzählung.
Für viele war es der erste Opernbesuch überhaupt – und gerade deshalb ein Erlebnis, das weit über einen „Kulturausflug“ hinausging. Denn „Die Passagierin“ stellte keine bequemen Fragen, sondern forderte Haltung: Wie erinnern wir? Wie gehen Menschen mit Schuld um? Und was passiert, wenn Geschichte plötzlich persönlich wird? Der Abend in Frankfurt zeigte eindrucksvoll, wie Schule Lernen außerhalb des Klassenzimmers ermöglichen kann – dort, wo Kunst Geschichte nicht nur erklärt, sondern spürbar macht. Für die Zehntklässler der Kopernikusschule wird dieser Opernbesuch vermutlich noch lange im Gedächtnis bleiben.

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